Fußball, Terror, Menschenrechte. Die argentinische Militärdiktatur im Spiegel der westdeutschen Öffentlichkeit 1976-1978 (2007)
Tags: Argentinien, Linke, Medienöffentlichkeit, Terrorismus.Nur drei Jahre nach dem blutigen Putsch in Chile übernahmen am 24. März 1976 auch in Argentinien Militärs die Regierung. Damit war eine der letzten Demokratien in Lateinamerika einer Diktatur gewichen, die als „repressivste und brutalste in der lateinamerikanischen Geschichte“ gilt. Angeführt wurde das neue Regime von dem Oberkommandanten des Heeres, General Jorge Videla. (…)
In der vorliegenden Arbeit liegt der Fokus auf folgenden Komplexen: Zunächst werden unmittelbare Reaktionen auf den Putsch untersucht, im anschließenden Kapitel steht der Umgang mit den deutschen Opfern der Diktatur im Vordergrund, gefolgt von einer Analyse der Debatten über Argentinien während der WM. Wie der Titel aufzeigt, sind es vor allem drei Schlagwörter, mit denen sich die inhaltlichen Schwerpunkte der Berichterstattung, Bundestagsdebatten aber auch politischen Kampagnen linker Gruppen umschreiben lassen: Fußball, Guerillakampf und/oder staatlicher Terrorismus sowie Menschenrechte.
Dabei ist zu beachten, dass bereits die Verwendung mancher Begrifflichkeiten einen Teil des Diskurses widerspiegelt. Der Terminus „Terrorismus“ wird je nach politischem Standpunkt des „Sprechers“ vollkommen unterschiedlich verwendet. Während für die politisch konservative Presse und CDU/CSU-Parlamentarier Terrorismus als Synonym für linke, marxistische Guerillagruppen im In- und Ausland fungierte , verstanden linke Aktivisten und Menschenrechtsgruppen unter dem Begriff in der Regel Repressionen des argentinischen Militärs sowie Aktionen rechtsextremer Todesschwadronen.(…)
Zu berücksichtigen ist auch, dass die untersuchten Ebenen stets miteinander verzahnt sind und sich gegenseitig beeinflussen. Es ist anzunehmen, dass sich die anfangs geringe Berichterstattung einiger etablierter Presseorgane auf die kritische Öffentlichkeit ausgewirkt hat. Die von Balsen und Rössel bemängelte „Konjunkturanfälligkeit der Dritte-Welt-Bewegung“ , die sie anhand der Vietnam- oder Chile- Solidaritätsbewegungen konstatieren, lässt sich problemlos auf die bundesrepublikanischen Gegner der argentinischen Junta übertragen und liefert eine Erklärung für deren relative Bedeutungslosigkeit. Denn gerade weil Argentinien unmittelbar nach dem Putsch nicht unbedingt hoch auf der tagespolitischen Agenda stand, ignorierten westdeutsche Linke die Geschehnisse in dem Land zunächst weitestgehend, so meine These.
Download: fussball_terror_menschenrechte_argentinien.pdf
Magisterarbeit von Dagmar Lieske für die Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin, 2007. Kontakt: daggital(bei)web.de
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