Seit Mai 2000 wird in einem hessischen Pilotprojekt das international erfolgreiche Produkt Electronic Monitoring, hier als Elektronische Fußfessel bezeichnet, im Bereich der Bewährungshilfe erprobt und angewandt. Was waren die Gründe, die Maßnahme in Hessen zu testen? Dabei richtete sich mein ethnographisches Interesse zunächst auf die Praxis dieser Überwachungstechnologie und was darin „Neues“ passiert. In Interviews mit Überwachten, der Projektleitung, der Bewährungshilfe, Staatsanwältinnen, Richtern sowie der offiziellen Begleitforschung des Freiburger Max-Planck-Institutes habe ich als Kulturanthropologe zunächst auf das fokussiert, was in der Maßnahme eigentlich passiert: welche Formen und Praktiken sind hier im Entstehen begriffen und welche politischen und moralischen Verhandlungen finden statt? Die Maßnahme Elektronische Fußfessel bewerte ich so nicht einfach als eine Schnittstelle oder Verbindung von Bewährungshilfe plus Technikeinsatz, sondern als ein durch das technische Produkt sowie durch Praxis und Montage generiertes heterogenes Gebilde von neuen Interaktionen: als Überwachungs-Ereignis der ganz besonderen Art.

Für meine Forschung über das hessische Pilotprojekt Elektronische Fußfessel habe ich versucht, das Gefüge der Maßnahme Elektronische Fußfessel und ihrer umstrittenen Anwendung sowie der beteiligten Akteure als „Assemblage“ zu konzipieren. Assemblages verweisen auf eine Art Maschine oder ein Gefüge, die auch das noch nicht Abgeschlossene bezeichnen, aber auch schon das Vorübergehende, das was in Bewegung ist, zu erkennen vermögen. Electronic Monitoring bildet zusammen mit anderen Maßnahmen einen neuen Raum von Straftechniken, die sich zwischen Bewährung und Inhaftierung schieben. Sie operieren mit einem heterogenen Mix aus „alten“ Disziplinierungen und „neuen“ Technologien des Selbst (Kontrollen). Electronic Monitoring kann so in der strafpolitischen Debatte für die einen den Ruf nach marktförmiger Effizienz im Bestrafungs-Business bedienen, während es für die anderen die Rettung des Resozialisierungs-Ideals darstellt.

Download als pdf: Ethnographie zum Projekt Elektronische Fußfessel

Die Arbeit lässt sich auch als html-Dokument hier bei Copyriot lesen.

Sie wurde als Magisterarbeit am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Universität Frankfurt am Main im August 2004 eingereicht. Der Autor ist per Email erreichbar: sven_bergmann [bei] gmx.net


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